ELEGANTE AVANTGARDE: Wir präsentieren eines der mutigsten Designprojekte der kroatischen Kleinwerftindustrie – die Sport Mare CS 45 könnte für einen echten Marktdurchbruch sorgen

Der italienische Designer Gianluca Adragna erhielt vor drei Jahren eine ungewöhnliche Anfrage aus Kroatien: ein Passagierschiff mit avantgardistischem Erscheinungsbild zu entwerfen, inspiriert von luxuriösen Sportbooten wie Van Dutch und Pardo. Klare Linien, ein scharfer Bug, hohe Bordwände und Eleganz entsprechen heute den Marktanforderungen.

Die größte Herausforderung für den Designer war der Einsatzzweck des Schiffes: Anstelle eines offenen Cockpits waren ein Dach und geschlossene Sitzplätze mit Flugzeugkomfort gefordert. Nach der Abstimmung von Wünschen, Möglichkeiten und Budget entstand das Endergebnis Sport Mare CS 45 – eines der mutigsten Designprojekte der kroatischen Kleinwerftindustrie der letzten Jahre.

Schon der Name deutet darauf hin, dass es sich um eine heimische Werft aus Velika Mlaka handelt, bekannt für erschwingliche traditionelle Boote sowie in den letzten Jahren für Touristenboote und U-Boote. In über 20 Jahren Tätigkeit ist dies das infrastrukturell anspruchsvollste Projekt, da der Umgang mit einer 12 Meter langen Form Raum, Geduld und Erfahrung erfordert.

Die Entscheidung für einen nicht gerade günstigen ausländischen Designer erwies sich als kluger Schritt, da nur wenige in Kroatien über ausreichende Erfahrung mit Schiffen dieser Größe verfügen.

Das Endergebnis wirkte in Computersimulationen spektakulär, insbesondere in Ausführungen mit hochwertigen Verkleidungen und italienischen Sitzen anstelle von Standardstühlen. Doch auch der in Veruda festgemachte Prototyp wirkt unter gewöhnlichen Booten nahezu außerirdisch, trotz des schlichten Interieurs und des weißen Rumpfs anstelle des geplanten Silbers.

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Ein Motor

Die bedrohliche dunkle Windschutzscheibe, die hohen Bordwände und der scharfe Bug scheinen für Geschwindigkeitsrekorde geschaffen. Nach den geschwungenen Außenlinien von Aufbau und Rumpf könnte man 50 Knoten erwarten, was selbst in der Version mit erlaubten tausend PS weit von der Realität entfernt ist. Zusätzliche Aggressivität wird eine Version mit drei Außenbordmotoren zu je rund 300 PS bieten.

Da es sich jedoch in erster Linie um einen wirtschaftlichen Transporter handelt, erreicht das getestete Boot nur etwa die Hälfte dieser Geschwindigkeit, da es von nur einem Dieselmotor angetrieben wird. Für diese Aufgabe wurde wahrscheinlich das bei kroatischen Seetransportunternehmen beliebteste Modell gewählt – der Cummins QSB 6.7 mit 480 PS.

Dies ist für ein neun Tonnen schweres Schiff vollkommen ausreichend, da das hohe Drehmoment bereits bei 2.000 U/min zur Verfügung steht. Mit vier Personen an Bord und ohne Gepäck war die Belastung vernachlässigbar. Der Rumpf liegt stabil im Wasser und beschleunigt ohne Zögern. Die Masse sorgt für gleichmäßige Lage und hohen Komfort beim Überfahren von Wellen, wozu der scharfe Bug und die vier Meter breite Breite wesentlich beitragen.

Bug- und Heckstrahlruder erleichtern das Anlegen, doch mit nur einem Motor ist die Wendigkeit im Gleitbetrieb begrenzt. Das Ruder kämpft gegen die Gesetze der Physik, und für eine vollständige Wende sind etwa siebzig Meter erforderlich. Für Testkriterien zu viel, doch die CS 45 mit zentraler Wellenanlage ist als Linienboot konzipiert und dafür gut geeignet.

Die Sicht vom Steuerstand ist etwas eingeschränkt, da der Bug während der Fahrt angehoben ist und das gebogene Plexiglas die Sicht zu den Seiten verzerrt. Ein Austausch gegen teureres gehärtetes Glas dürfte hier Abhilfe schaffen.

Hecküberhang

Der voluminöse Sechszylindermotor mit einem Gewicht von 650 Kilogramm ist trotz seiner Position zwischen den Sitzen im geschlossenen Kabinenbereich nicht übermäßig laut. Diese scheinbar improvisierte Motorposition ist das Ergebnis eines zwei Meter langen Hecküberhangs, durch den das Boot deutlich über die Rumpflänge hinausgewachsen ist. Dies ist für die Entwurfsklasse sehr vorteilhaft und bietet den Nutzern zusätzlichen Raum für Boarding und Freizeit.

Für den Ausstieg aus dem Wasser sind klassische Leitern vorgesehen, obwohl ein derart futuristisches Design innovativere Lösungen verdienen würde, etwa eine verdeckte Luke im leeren Heckvolumen. Auch eine Carbon-Gangway wäre sinnvoll, um das Einsteigen zu erleichtern, da derzeit keine Stufe vorhanden ist.

Der Gang zum Bug ist bei Wellengang riskant, da das Boot keine seitlichen Relings besitzt, sondern nur einen Handlauf auf dem Dach. Ästhetisch nachvollziehbar, praktisch jedoch nur sinnvoll, wenn der Passagierverkehr eingeschränkt wird. Angesichts des großzügigen Heckbereichs besteht kein wirklicher Bedarf, die schmalen Seitendecks zu nutzen.

Der Passagierbereich ist primär für Gäste vorgesehen: 12 Sitze ordentlich wie in einem Bus angeordnet, in drei Reihen nach vorne ausgerichtet, zur Hostess, zum Küchenblock und zum LCD-Fernseher. Über dem Kühlschrank mit Erfrischungen befindet sich ein Edelstahlspülbecken mit überdimensionierten Rändern.

Das idyllische Ausflugsambiente gilt gesetzlich und logisch als ideal für den Transport von Touristen zu Inselzielen. Von den Sitzen aus bietet sich ein schöner Blick durch die Seitenfenster, während separate USB-Anschlüsse sehr willkommen sind. Die komfortablen Sitze stammen aus England, wobei geplant ist, eine ähnliche Lösung in Eigenproduktion zu entwickeln.

Transporter für 26 Passagiere

Eine Innenhöhe von über 190 Zentimetern stellt einen großen Komfortvorteil dar. Derzeit gelangt Frischluft durch zwei kleine Dachfenster, die während der Fahrt eine effektive Alternative zur Klimaanlage darstellen, welche optional installiert werden kann. Weitere Dachfenster wären sinnvoll, insbesondere über dem Steuerstand, da die seitlichen Glasflächen nicht zu öffnen sind. Auch im Toilettenraum im Bug wäre ein Fenster hilfreich, da der eingebaute Ventilator nicht ausreicht.

Zwischen Toilette und Passagierraum befinden sich zwei Bänke, die als provisorische Kojen für die Crew gedacht sind, mit Stauräumen darüber. Hier könnten problemlos weitere sechs Passagiere Platz finden. Auch auf den Außenbänken im Heckcockpit ist Platz für etwa zehn Personen, weshalb die geplante Version mit 26 Einzelsitzen besonders für Vermieter interessant sein dürfte.

Die Registervorschriften für diese Kapazität sind streng, doch die Werft ist überzeugt, alle Anforderungen zu erfüllen und dem Markt genau das zu bieten, was er verlangt. Schon lange wird darüber gesprochen, dass eine Flotte solcher schnellen und wirtschaftlichen Boote ideal für die Verbindung kleinerer Inseln wäre – anstelle von großen Fähren und Katamaranen, die außerhalb der Saison unrentabel sind.

Mehrere Exemplare des getesteten Modells werden bereits ab dem kommenden Sommer in der Adria unterwegs sein, und wir freuen uns auf die angekündigte Zehn-Meter-Version, die neben Arbeitsausführungen auch als Freizeitkonzept mit zwei großen Kabinen für private Nutzer angeboten wird.